Talent versus Learning Management Systeme

26. Mrz 2017

Learning Management Systeme (LMS) und Learning Content Management Systeme (LCMS) dienen unter anderem der Bereitstellung von Lerninhalten, der Steuerung des Lernprozesses, der Kommunikation der Lernenden untereinander, der Betreuung der Lernenden durch einen Tutor, der Erzeugung von Lerninhalten und vielem mehr. Doch wieder einmal wird diskutiert, ob diese Systeme noch zeitgemäß sind. Viele Talent Management Systeme und andere Personalsysteme bieten nämlich inzwischen Funktionen, die typisch sind für LMS und LCMS. Uns so wird aktuell einmal mehr das Totenglöckchen für LMS und LCMS geläutet. Was ist dran?

Rückblick. Als vor gut 10 Jahren die Social Media in großem Stil aufkamen, läutete das Totenglöckchen schon einmal. Mit einer guten Zusammenstellung von Social Media könne man alle Funktionen eines LMS abbilden. Also wozu noch ein LMS? In der Tat kann man mit WordPress, Facebook, Google und Co. LMS-Funktionalitäten nachbauen. Doch die Zusammenstellung und Pflege der Einzeltools ist trotz verschiedener Versuche der Integration nach wie vor komplex und aufwändig. Das haben auch Weiterbildungsverantwortliche schnell erkannt und weiter auf das LMS gesetzt. Und die Hersteller haben den Spieß umgedreht und integrieren immer mehr Social-Media-Funktionalitäten in ihre Produkte.

Nun sind es die Talent Management Systeme, die Druck auf das LMS ausüben. Klar, die Hersteller von Talent Management Systemen verkünden, dass ihre Systeme Weiterbildungsmanagement und E-Learning und damit auch Blended Learning und noch viel mehr können. Und als Einkäufer freue ich mich da natürlich, spare ich mir doch die Kosten für ein LMS, wenn das Talent Management System alles kann. Schaut man allerdings die gängigen Systeme etwas genauer an, dann relativieren sich die Aussagen der Hersteller sehr schnell. Ja, man kann Präsenzseminare verwalten. Ja, man kann E-Learning bereitstellen und die Ergebnisse steuern. Ja, damit kann man als Kombination von Präsenzseminaren und E-Learning auch Blended Learning umsetzen. Das ist schon was, keine Frage. Aber – die Steuerung des Lernprozesses, kollaboratives Lernen in virtuellen Lernteams, Kommunikation, mediale Vielfalt moderner Lernarrangements und vieles mehr ist leider nicht möglich. Und wird meiner Meinung nach auch auf absehbare Zeit nicht möglich sein. Gute und attraktive Lernprozesse sind zu komplex, als dass sie von einer eierlegenden Wollmilchsau abgedeckt werden können. Ich denken, auch diesmal läuten die Totenglöckchen zu früh. Allerdings werde ich mit großer Neugierde beobachten, was sich auf dem Markt in den nächsten Jahren tut und ob Learning Management Systeme irgendwann wirklich unter Druck geraden. Im Augenblick wäre der Verzicht auf ein LMS in vielen Fällen nicht zielführend.

Lernende Grüße aus dem Rheinland

Konrad Fassnacht

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