E-Learning mit PowerPoint

25. Aug 2020

Erweiterung des Blog-Beitrags vom 13. Juni

PowerPoint ist zum einen eine sehr beliebte Präsentationssoftware, die auch oft für Trainings eingesetzt wird. Zum anderen hat PowerPoint aufgrund der bekannten „Folienschlachten“ mit unzähligen überfüllten Folien keinen besonders guten Ruf. Entsprechend fallen die Reaktionen aus, wenn man PowerPoint als E-Learning-Tool ins Gespräch bringt – vom spöttischen Lächeln bis zum vehementen Kopfschütteln. Wir sind den Dingen auf den Grund gegangen.

Vor Kurzem führten wir unseren Kurs „Zertifizierte/r E-Learning Autor/in“ intern im öffentlichen Dienst durch. In dem Kurs wenden die Teilnehmenden das Erlernte sofort an, indem sie mit einem Autorenwerkzeug ein individuelles E-Learning-Modul erstellen. Hier jedoch taten sich Hürden auf:

  • Es war kein Autorenwerkzeug wie Articulate Storyline, Adobe Captivate und Co. im Einsatz.
  • Eine mögliche Beschaffung dauerte länger als der Kurs.
  • Die Installation von Testversionen war ohne Beantragung nicht möglich, was ebenfalls längere Zeit in Anspruch genommen hätte.
  • Der Kurs musste in einem bestimmten Zeitfenster durchgeführt werden, so dass keine Verschiebung auf das Ende einer Beschaffungsphase möglich war.

Was aber alle Teilnehmenden auf ihren Rechnern hatten war PowerPoint. Also entschlossen wir uns, PowerPoint genauer unter die Lupe zu nehmen und zu überprüfen, ob zumindest bestimmte didaktische Vorgehensweisen umzusetzen. Wir waren erstaunt.

In „echten“ E-Learning-Modulen sind Interaktionen und Tests zur Selbstüberprüfung des Lernfortschritts ein Muss. Wie kann man diese in Powerpoint umsetzen? Und wie kann man Powerpoint konfigurieren, dass die Teilnehmenden wie in einem „echten“ E-Learning durch das Modul durchgeführt werden?

 

  1. Interaktionen

Ein wichtiger Bestandteil von PowerPoint sind Animationen. Geschickt eingesetzt können Sie aus statischen PowerPoint-Folien mediale Erlebnisse machen. Ein zweiter wichtiger Bestandteil sind Links, mit denen man auf Webseiten, auf Dokumente oder auf Folien innerhalb der Powerpoint-Präsentation verlinken kann. Mit Hilfe dieser beiden Funktionen lassen sich sehr schöne Interaktionen auch in Powerpoint realisieren.

  • Die Animationen lassen sich ganz normal zeitgesteuert konfigurieren. Das ist noch nichts Besonderes und ist auch nicht interaktiv.
  • Über Trigger lassen sich die Animationen mit Mausklicks vorbinden. Die Anwender müssen auf ein Objekt klicken, damit die Animationen auf dieses oder ein anderes Objekt wirkt. Voilà – schon hat man die erste Interaktion.
  • Über Links lässt sich zwischen verschiedenen Folien hin- und herspringen. Wenn diese Folien geschickt aufgebaut sind, lassen sich Dinge realisieren, die man von echten Autorenwerkzeugen her kennt – Pyramidenstacks, Schieberegler, Akkordeons, Mouse-Over, etc.

 

  1. Selbsttests zur Überprüfung des Lernfortschritts

Es geht bei weiten nicht so viel wie bei Autorenwerkzeugen. Aber kleine Multiple-Choice-Tests, Richtig-Falsch-Fragen oder Bilderrätsel lassen sich bauen. Auch hier kommen vor allem Links zum Einsatz. Ebenso können die standardmäßig vorhandenen interaktiven Schaltflächen von PowerPoint verwendet werden.

 

  1. Steuerung des Lernprozesses

In klassischen Autorenwerkzeugen lässt sich der Lernprozess auf die unterschiedlichste Art und Weise steuern. Die Anwender müssen entsprechende Schaltflächen oder Objekte anklicken, um im Lernprozess voranzuschreiten. Das geht in PowerPoint auch. Aber wie kann man Powerpoint konfigurieren, damit der Teilnehmende nicht wie normal mit Mausklick oder mit der Tastatur weiterschaltet, sondern durch die gewünschten Klicks? Hierzu muss man in PowerPoint zwei Dinge beachten.

  • Im Menü „Bildschirmpräsentation einrichten“ muss die Option „Ansicht an einem Kiosk“ aktiviert werden.
  • Die PowerPoint-Datei muss als PowerPoint-Bildschirmpräsentation (*.pps oder *.ppsx) gespeichert werden. Die Anwender können diese Datei starten, wenn sie PowerPoint oder den kostenlosen PowerPoint-Viewer auf Ihrem Rechner haben, und sich dann entlang des Lernwegs durch die PowerPoint-Präsentation durcharbeiten.

Wo viel Licht ist, ist aber auch viel Schatten. Und der soll nicht unerwähnt bleiben.

  • Um die *.pps- oder die *.ppsx-Datei anzusehen benötigt man entweder Powerpoint oder den kostenlosen PowerPoint-Viewer.
  • Die *.pps- oder *.ppsx-Datei muss von einem Server (Webserver, Lernplattform, gemeinsames Laufwerk, etc.) heruntergeladen und kann damit unerlaubt weitergegeben werden. Auch kann die Datei mit PowerPoint bearbeitet werden, so dass die Inhalte nicht geschützt sind.
  • Die *.pps- oder *.ppsx-Datei kann nicht im SCORM-Datei abgespeichert werden. Damit kann der Lernfortschritt der Anwender nicht begleitet werden.
  • Und vor allem: man ist in den Möglichkeiten natürlich deutlich eingeschränkt im Vergleich zu „echten“ Autorenwerkzeugen wie Articulate Storyline oder Adobe Captivate.

 

Fazit

Mit PowerPoint geht in Sachen E-Learning mehr als man vermutet. Als Einstieg in das Thema E-Learning-Entwicklung, für kleine Learning Nuggets oder zur Anreicherung bestehender PowerPoint-Präsentation kann es aber sehr gut verwendet werden.

In unserem Kurs „Zertifizierte/r E-Learning-Autor/in“ arbeiten wir mit „echten“ Autorenwerkzeugen wie Articulate Storyline, Adobe Captivate oder Camtasia, werden aber in Zukunft auch zahlreiche Tipps zum Einsatz von PowerPoint im E-Learning-Kontext verraten. Ein kleines Musterbeispiel zum Thema „Führen aus der Ferne“ können Sie sich hier herunterladen.

Lernende Grüße aus dem Rheinland

Konrad Fassnacht

 

 

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Konrad Fassnacht

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