Kompliziert oder komplex – das ist hier die Frage

13. Mrz 2019

Die beiden Begriffe „kompliziert“ und „komplex“ werden häufig synonym verwendet. Doch ein kompliziertes Problem als komplex zu bezeichnen und umgekehrt führt uns unweigerlich auf den Holzweg. Da die Welt jedoch immer komplexer wird, lohnt es sich, diese Begriffe genauer zu betrachten.

Ein kompliziertes Problem ist dadurch gekennzeichnet, das wir es nicht verstehen. Und fehlt schlicht und einfach das Wissen, um dieses Problem zu lösen. Wir müssen also das Wissen erwerben oder im Falle eines Unternehmens zukaufen, damit wir die Grundlage zum Lösen des Problems haben. Komplizierte Problem sind also durch Lernen von Daten, Zahlen und Fakten sowie von Handlungsweisen und den entsprechenden Verhaltensanpassungen zumindest einer Lösung näherzubringen.

Ein komplexes Problem ist dadurch gekennzeichnet, dass es zahlreiche unvorhersehbare Überraschungen für uns bereithält. Wir wissen nicht genau, was alles auf uns zukommt und womit wir uns auseinandersetzen müssen. Beispiel: Ein Unternehmen arbeitet an einem neuen Produkt. Plötzlich kommen die Mitbewerber mit Ideen auf den Markt, an die man selbst nicht gedacht hat. Und man weiß nicht, was die Mitbewerber noch alles im Köcher haben. Man muss handeln, ohne zu wissen, was noch alles kommt.

Während man komplizierte Probleme mit klassischer Weiterbildung lösen kann – und dazu rechne ich auch E-Learning, Blended Learning und Co. – funktioniert das bei komplexen Problemen nicht. Komplexe Probleme müssen situativ und kreativ angegangen werden.

Dies hat große Auswirkungen auf die Weiterbildung. Neben der klassischen Weiterbildung im obigen Sinne geht es darum, die Mitarbeiter zu befähigen, mit unvorhersehbaren Ereignissen adäquat umzugehen. Auch diese Befähigung kann und muss durch Lernen unterstützt werden. Aber eben nicht durch das Lernen von Daten, Zahlen und Fakten, sondern durch den Erwerb oder den Ausbau von Kreativität, Innovationskraft, Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Medienkompetenz, etc. Es geht auch darum, die Rahmenbedingungen für eine Lernwelt zu schaffen, in der neben der Lösung komplizierter Probleme auch das Lösen komplexer Probleme angegangen wird. Dazu gehören die Bereitschaft der Führungskraft, mehr Aufgaben zur Entwicklung der eigenen Mitarbeiter zu übernehmen, den Mitarbeitern mehr Entscheidungsfreiräume zuzugestehen und vieles mehr.

Dazu gehören auch die Selbstlernkompetenz der Mitarbeiter zu stärken, das Lernen am Arbeitsplatz zu fördern, das kollaborative Lernen auch standortübergreifend zu unterstützen und eine ganze Menge mehr. Dies sind komplizierte Probleme, deren Lösung dabei hilft, mit komplexen Problemen besser umzugehen.

Lernende Grüße aus dem Rheinland.

Konrad Fassnacht

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Konrad Fassnacht

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