„Am Ende des E-Learnings sollen die Teilnehmenden das Thema verstanden haben.“
Klingt gut, oder? Nicht ganz.
Denn: Verstehen ist kein messbares Ergebnis. Und wenn du nicht klar benennen kannst, was die Teilnehmenden am Ende können, tun oder entscheiden sollen, wird dein E-Learning beliebig – und für die Lernenden genauso unklar wie für dich.
Lernziele sind keine Deko
Viele sehen Lernziele als lästige Pflicht – ein Intro-Slide, das man halt braucht, um „seriös“ zu wirken. Aber richtig formulierte Lernziele sind dein Dreh- und Angelpunkt im Projekt:
- Sie helfen dir, relevante Inhalte auszuwählen (und überflüssige zu streichen).
- Sie geben dir die Basis für die Struktur des E-Learnings.
- Sie liefern das Fundament für die Evaluation des Lernerfolgs.
- Sie helfen den Lernenden, zu erkennen, wofür sich das Durchhalten lohnt.
- … und vieles mehr.
Aha-Effekt 1: Gute Lernziele erleichtern dir die Arbeit – schlechte machen sie doppelt so schwer.
Was ein gutes Lernziel ausmacht
Ein gutes Lernziel ist wie ein Navi: Es sagt dir klar, wohin die Reise geht – nicht nur, dass du irgendwo „unterwegs“ bist. Dafür gibt’s eine bewährte Formel:
Verhalten + Inhalt + Kontext + Kriterium (optional)
Beispiel:
„Die Teilnehmenden können nach dem E-Learning drei typische Reklamationssituationen erkennen und angemessen reagieren.“
Oder:
„Die Lernenden können in einem Kundengespräch zwischen Produkt A und B differenzieren und das passende Produkt empfehlen.“
Aha-Effekt 2: Gute Verben machen das Ziel sichtbar – „verstehen“ nicht.
Vermeide:
- verstehen, wissen, kennen, schätzen, begreifen
Nutze stattdessen:
- benennen, unterscheiden, anwenden, entscheiden, argumentieren, beurteilen
Die Taxonomien helfen – wenn man sie einfach nutzt
Du musst kein Pädagoge sein, um gute Lernziele zu schreiben. Aber ein Blick in die Bloom’sche Taxonomie oder die Gagné-Stufen hilft ungemein – nicht zum Nachbeten, sondern zur Inspiration.
Hier eine einfache Orientierung:
| Zielart | Typische Verben |
| Wissen | nennen, beschreiben, aufzählen |
| Verstehen | erklären, zusammenfassen, vergleichen |
| Anwenden | ausführen, berechnen, umsetzen |
| Analysieren | untersuchen, strukturieren, unterscheiden |
| Beurteilen | bewerten, argumentieren, entscheiden |
| Erschaffen | entwerfen, entwickeln, formulieren |
Aha-Effekt 3: Je konkreter das Lernziel, desto klarer die Dramaturgie deines E-Learnings.
Hänge diese Persona aus – oder pinne sie dir digital an den Monitor. So triffst du beim Entwickeln deutlich bessere Entscheidungen.
Konkreter Tipp: Verwandle Inhalte in Lernziele
Mach den Lernziel-Filter-Test:
- Nimm eine PowerPoint-Folie oder ein Inhalts-PDF, das du verwenden willst.
- Frag dich bei jedem Abschnitt:
-
- Was genau sollen die Lernenden damit später tun können?
- Reicht es, das zu wissen – oder müssen sie es auch anwenden oder entscheiden?
- Formuliere daraus ein oder mehrere aktive Lernziele.
Beispiel:
Inhalt: „Produkt A hat eine neue Funktion, die schneller lädt.“
Lernziel: „Die Teilnehmenden können die neue Ladefunktion von Produkt A gegenüber Kunden in zwei Sätzen erklären.“
Das ist ein Ziel. Und du weißt sofort, wie du das im E-Learning umsetzen könntest – vielleicht mit einem kurzen Kundendialog zum Üben.
Fazit
Lernziele sind keine Formalie, sondern dein architektonischer Grundriss. Sie machen aus einem bunten Infokasten ein zielgerichtetes Lernangebot – mit Anfang, Mitte, Höhepunkt und Lerngewinn.
Oder wie ein Kollege von mir mal sagte:
„Ein E-Learning ohne Lernziel ist wie ein Film ohne Plot: technisch möglich, aber keiner bleibt bis zum Ende dran.“
Wichtige Informationen !
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- Der nächste Artikel am 07. August: „Lerninhalte auswählen: Weniger ist oft mehr„
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