„Unsere Zielgruppe? Na ja, eigentlich alle.
Oder zumindest alle Mitarbeitenden.
Oder die Neuen.
Oder die, die es brauchen.“
Aha.
So beginnt (leider) immer noch die „Zielgruppenanalyse“ in vielen Projekten. Dabei ist dieser Schritt alles andere als ein Pflichtprogramm – er ist die Scharfschaltung für dein E-Learning. Denn wenn du deine Zielgruppe nicht kennst, entwickelst du im Nebel.
Zielgruppe ist nicht gleich Zielgruppe
Klar, du kannst sagen: „Unsere Zielgruppe sind die Mitarbeitenden im Vertrieb.“ Aber was genau heißt das?
- Sind sie neu im Unternehmen oder seit 20 Jahren dabei?
- Wie technikaffin sind sie?
- Haben sie schon Erfahrungen mit E-Learning?
- Sitzen sie am Schreibtisch oder sind sie ständig unterwegs?
- Welche Sprache sprechen sie – fachlich, kulturell, menschlich?
Aha-Effekt 1: Eine Zielgruppe ist keine Masse – sie ist ein Mosaik.
Und je besser du dieses Mosaik zusammensetzt, desto gezielter kannst du Inhalte, Tonfall, Medien und Interaktionen auswählen.
Was deine Zielgruppe wirklich braucht
Ein E-Learning, das bei der Zielgruppe nicht ankommt, ist wie ein perfekt geschnitzter Schlüssel für das falsche Schloss. Darum brauchst du zwei Arten von Wissen über deine Zielgruppe:
- Faktenwissen: Alter, Vorerfahrung, Arbeitsumfeld, Geräte, Sprachniveau etc.
- Psychowissen: Lernmotivation, Einstellung zum Thema, Lerngewohnheiten, Frustrationstoleranz etc.
Psychowissen ist schwerer zu greifen – aber mindestens genauso wichtig.
Aha-Effekt 2: Du musst nicht nur wissen, wer lernt – sondern auch, wie sie ticken.
Stell dir vor: Du entwickelst ein technisch anspruchsvolles E-Learning für IT-Fachkräfte – aber die Zielgruppe sind eigentlich Service-Mitarbeitende, die gerade erst intern umgeschult wurden. Was meinst du, wie motivierend das wird?
Zuhören statt raten
Die beste Zielgruppenanalyse basiert nicht auf Annahmen, sondern auf Gesprächen. Und ja, das kostet Zeit – aber spart später doppelt so viel.
Was du tun kannst:
- Führe Mini-Interviews (10–15 Minuten) mit 3–5 Personen aus der Zielgruppe.
- Frage nicht nur nach Wissen, sondern auch nach ihren Arbeitsalltag, Herausforderungen, Mediennutzung, Lernvorlieben.
- Teste Mini-Prototypen oder Ideen (z. B. mit PowerPoint oder einem Rise-Kachel-Dummy).
- Lies zwischen den Zeilen: „Ich hab keine Zeit für E-Learning“ heißt oft: „Ich sehe den Nutzen nicht.“
Aha-Effekt 3: Du brauchst nicht viel – aber du brauchst echte Stimmen aus der Zielgruppe.
Hänge diese Persona aus – oder pinne sie dir digital an den Monitor. So triffst du beim Entwickeln deutlich bessere Entscheidungen.
Konkreter Tipp: Zielgruppen-Personas erstellen
Erstelle eine oder zwei Zielgruppen-Personas – das sind fiktive, aber realitätsnahe Steckbriefe, die dir helfen, beim Schreiben und Gestalten immer die Lernenden vor Augen zu haben.
Beispiel:
- Name: Selin, 29
- Job: Neu im Vertriebsteam, Quereinsteigerin
- Technik: Smartphone-affin, Desktop-Nutzung nur im Büro
- Lernverhalten: Mag Videos, scheut lange Texte
- Motivation: Will sich schnell einarbeiten, aber ist skeptisch gegenüber „Pflicht-E-Learnings“
- Erwartung: Klar, flott, praxisnah, gerne mit konkreten Beispielen
Hänge diese Persona aus – oder pinne sie dir digital an den Monitor. So triffst du beim Entwickeln deutlich bessere Entscheidungen.
Fazit
Eine gute Zielgruppenanalyse ist kein Luxus, sondern dein Kompass durch das ganze Projekt. Sie macht den Unterschied zwischen „interessant gemacht“ und wirklich relevant.
Denn du entwickelst dein E-Learning nicht für „alle“. Du entwickelst es für Selin. Oder Jonas. Oder Martina.
Und die haben viel mehr Lust zu lernen, wenn sie sich angesprochen fühlen.
Wichtige Informationen !
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- Der nächste Artikel am 04. August: „Lernziele formulieren, die wirklich wirken“
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